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Urlaub in der Pandemie: Eine Gedankenreise

Letztes Jahr im März, also fast genau um dieselbe Zeit wie damals, gehörten wir zu den letzten Urlaubern die noch nach Deutschland zurückreisen konnten, bevor die Grenzen dicht gemacht wurden. Wir hatten in der stillen Einöde von Corona und der drohenden Gefahr erfahren. Und als wir zu Hause ankamen, stand gefühlt die Welt still. Zwei Tage ging ich noch ins Büro und dann überrollte uns der erste Lockdown.

Schöne heile Welt fernab vom Massentourismus. – Dänemark im März 2020

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie verunsichert ich war. Heute, genau ein Jahr später, mitten im “the new normal” angekommen, irritieren uns scheinbar weder Meldungen über Virusmutationen, eine weitere Infektionswelle oder einen erneuten Lockdown. Das Leben geht für jeden “irgendwie” weiter, teilweise mit verheerenden persönlichen oder unternehmerischen Schicksalen. Man spricht sich gegenseitig Mut zu, aber die Stimmung kippt allmählich auch bei dem letzten Optimisten. Und so macht es mich ziemlich betroffen, wenn ich an meine Urlaubszeit denke. – Urlaub und Pandemie, das passt einfach nicht so recht zusammen.

Verreisen während der Pandemie? – Für mich nur gedanklich vertretbar.

Wehmütig bin ich. Sehnsüchtig. Und gleichzeitig so dankbar für die vermeintlichen Selbstverständlichkeiten des Alltags, die Gesundheit meiner Lieben und die finanzielle Unbesorgtheit.

Aber Urlaubsansprüche bestehen, Urlaub muss genommen werden und Urlaub soll der Regeneration dienen.

Statt echtem Kofferpacken setzen wir dieses Jahr auf das für uns einzig richtige: Verzicht. Und eine gedankliche Reise zurück in unsere Erinnerung.

Mir hat vor vielen Jahren einmal ein wunderbarer Wegbegleiter gesagt “Wir leben nur für unsere Erinnerungen. Lebe also so, dass du dich gern an dein Leben erinnerst.” – So oft muss ich an diesen Satz denken, und ich bin mir sicher, dass mir diese Lebenseinstellung in der aktuellen Situation zugute kommt.

Sind Erinnerungen nicht gerade jetzt etwas, wovon wir zehren sollten?


Gedankenreise nach Dänemark


Geschichtsträchtige Relikte aus dem Zweiten Weltkrieg: Teile des Atlantikwalls

An der Westküste Dänemarks finden sich auf einigen Strandabschnitten immer noch geschichtsträchtige Relikte längst vergangener Tage: Zwischen 1943 und 1944 wurden hier während des Zweiten Weltkriegs von den Deutschen Teile des sog. Atlantikwalls errichtet. Einige Bunker sind bereits unter dem Sand vergraben, andere ragen teilweise oder sogar nahezu in vollständiger Größe als traurige Kulturdenkmäler aus dem Boden. Gerade bei Regen und Sturm bietet sich dem Betrachter eine tragische Szenerie dar – fast ebenso tragisch, wenn die Weltkriegsbunker bei schönem Wetter von Touristen als Klettergerüst und Sonneninsel genutzt werden.


Bunte Muscheln sucht man – wie fast überall an der Nordseeküste – vergeblich. Während insbesondere die südlichen Strandabschnitte bei Rømø, Fanö oder Blåvand als Bernstein-Hotspots einschlägig bekannt sind, so findet sich unter all dem Strandgestein dennoch das eine oder andere Highlight. – Wer mich gut kennt, weiß um mein Interesse an Steinen und Mineralien. Und ja, ich habe mir die Taschen voll gemacht!

Ob nun Bernstein oder nicht – manches Fundstück schaut man sich zweimal an.

Zu den besonderen Fundstücken zählen sicher die getrockneten Ei-Kapseln, die sich gar nicht so selten am Strand finden. Sie stammen von einer der 10 Rochen-Arten wie Nagel- oder Sternrochen, die in der Nordsee heimisch sind. Auch Schalen von Austern findet man hin und wieder, wobei inzwischen nachgewiesen ist, dass in deutschen Gewässern keine lebenden Tiere mehr auf Grund der Überfischung vorhanden sind. Wer also Austernschalen findet, kann davon ausgehen, dass diese bis zu 70 Jahre alt sind. Bei Strandfundstücken und Steinen gilt für mich generell: Alles was schön ist, kommt mit. So wie mein “Bacon-Stone” auf dem Bild rechts, der an einen Miniatur-Schinken erinnert. Oder Seeglas. Oder versteinertes Holz. Oder Lochsteine, die sog. “Hühnergötter”. Ich bin ein Sammler!



Doch nicht nur das Meer und seine vielen Schätze, sondern auch auch die wilde und oft steile (!) Dünen-Landschaft ist so reizvoll, dass sich jede Erkundungstour lohnt.

Bei einer Dünenwanderung verfliegen die Stunden im Nu.



Fährt man dann rein ins Land, sieht man viele der typischen roten skandinavischen Häuschen. Manche so klein und niedrig, dass die Eingangstüre einem nur knapp bis an die Schulter reicht. Irgendwie heimelig fühlt es sich an, und die schmalen kopfsteingepflasterten Gassen und die bunten Häuser mit ihren fröhlichen Vorgärten machen sofort gute Laune.


In den kleinen Fischerhäfen werden im Frühjahr die Boote repariert und überall klopf und hämmert es und riecht nach Farbe und geräuchertem Fisch. Überall hängen Schilder auf denen “Fiskehus” oder “Fisk Røgeri” zu lesen ist, und man muss der dänischen Sprache nicht mächtig sein, um zu verstehen, was man hier erwerben kann.

Im alten Fischerhafen von Ringkøbing geht es ruhig und beschaulich zu.


In der ersten Woche haben wir uns ausschließlich von unseren mitgebrachten Vorräten verpflegt. Wir hatten auf diversen einschlägigen Seiten im Netz gelesen, dass die Lebensmittel verhältnismäßig teuer sind in Dänemark. Stimmt soweit auch, vor allem wenn man frisch kochen will. Uns war vor allem wichtig, die landestypischen Spezialitäten zu probieren, manches davon hat es dann später auch in die Rezepteübersicht geschafft, wie bspw. die Aprikosen-Möhren-Marmelade, der dänische Brokkolisalat oder die Blaubeersuppe.

Das Fischangebot – frisch wie geräuchert – war unschlagbar. Nahezu jedes Dorf an der Küste hat eine oder mehrere Räuchereien, in denen man auch oft fertige Mittagsmenüs kaufen kann. Das Sortiment in Bäckereien unterscheidet sich deutlich zum deutschen Angebot: Apfelschnecken, Zimtschnecken (Danske Kanelsnegle – klingt schon so süß, oder?!), Pflaumenschnecken, Wienerbrød und Æbleskiver. Ich hatte es nicht leicht in diesem Urlaub, ich geb’s zu. Übrigens auch großartig: Das riesige Suppenangebot. Ich habe noch nie so viele Suppen in Supermärkten gesehen, wie in Dänemark.


Dänemark’s Schattenseite

Aber auch das ist Dänemark: Bergeweise Plastikmüll und allerlei angespülter Unrat an den Stränden. Ich war regelrecht geschockt, wie manche Strandabschnitte aussahen. Müll dicht an dicht verstreut. Teilweise ganz offensichtlich Überbleibsel von Urlaubern (Sonnenmilch, Strandspielzeug), und anderes wiederum ganz offensichtlich weit draußen im Meer über Bord gegangen (Fischernetze, Farbkanister, Flaschen mit Urin gefüllt, Werkzeuge und Baumaterialien). Es war für mich – ohne Übertreibung – der absolute Horror. Ich konnte nicht tatenlos weiterlaufen, musste tatsächlich aber erst einmal Glück haben und eine Plastiktüte “finden”, um meine Sammlung zu starten. Zu dem Zeitpunkt hatte ich schon beide Arme voll.

Es begann mit einem Ballon, der sich in angespülten Fischernetzen verfangen hatte…


Die lokalen Behörden versuchen der Situation Herr zu werden: Alle paar Kilometer stehen offene Holzcontainer im Sand für Strandabfall. Leider weht aus denen der Müll wieder heraus und liegt im Umkreis von hundert Metern um den Container verstreut und gräbt sich bei jeder Windböe tiefer in den Sand.

Über die sozialen Medien habe ich bei der lokalen Ortsverwaltung nachgefragt: In den Wintermonaten kapitulieren die Gemeinden – die raue See spült entlang der ganzen Küste täglich mehrere Tonnen Müll an. Der stammt hauptsächlich von den knapp 400 (!) Bohrplattformen in der Nordsee oder von der Hochseefischerei. – Definitiv einer meiner Schlüsselmomente!


Kein schönes Ende für eine Gedanken-Urlaubsreise, nicht wahr? Ein ähnlich frustrierendes Gefühl beschlich mich, als ich vor einem Jahr einer Bekannten von meinem Müll-Erlebnis erzählte. Sie kommentierte es ungläubig mit den Worten “Na das würde mir gerade noch einfallen, im Urlaub Müll von anderen Leuten zu sammeln.”

Wie gut, dass wir alle verschieden sind. Ich kann es durchaus nachvollziehen, wenn Leute sagen “Du allein, du kannst doch gar nichts verändern.” – Korrekt. Aber inzwischen sind wir VIELE. ❤

Schützenswertes Naturparadies: Dänemark’s Dünenlandschaft


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